E-Learning: Einführung in die altgriechische Metrik

 


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"Hexameter"

"Trimeter"

 

 

 

1.5.5 Wortbilder

Die Behandlung der griechischen Metrik durch Paul Maas war lange Zeit das massgebliche Standardwerk und auch heute noch ist es in einzelnen Aspekten als erster Zugang unübertroffen. Das deutsche Original erschien 1923 als Teil der "Einleitung in die Altertumswissenschaft". 1962 wurde es von Hugh Lloyd-Jones weiter verbessert und ins Englische übersetzt.

Bei der Untersuchung von Zäsuren, Diäresen und Brücken erinnert Maas die Leser daran, dass nicht die Worteinteilungen unserer heutigen Textausgaben relevant sind. Vielmehr dürfen Präpositiva (können nur vor einem anderen Wort stehen) und Postpositiva (können nur nach einem anderen Wort stehen) in einer metrischen Analyse nicht von ihrem Inhaltswort getrennt werden, da sie gemeinsam ein "Wortbild" (oder eine "Wortgruppe") ergeben. Zwischen diese Wortbilder fallen in der Regel keine Zäsuren oder Diäresen. Ausserdem wird das Gesetz einer Brücke nicht verletzt, wenn diese zwischen ein Inhaltswort und sein Appositivum (d.h. Prä- oder Postpositivum) fällt, da deren Verbindung "wie ein einziges Wort zählt". So gelten beispielsweise ὁ πατὴρ γάρ und καὶ τὸν πατέρα μου jeweils als ein einziges Wortbild.

In Lloyd-Jones' Übersetzung von Maas heisst es folgendermassen: "At places where word-end is aimed at or avoided we count as a ‚word' not every part of a sentence that according to our system of writing Greek is written separately, but the whole group formed by an important part of the sentence (i.e. [=id est, dt. "das heisst"] noun, verb, &c. [=etc.]) together with any prepositives […] and postpositives […] that go with it." (Maas 1962, 84)

Eine Fluchtafel von Teos (ca. 470 v. Chr.) trennt die Wortbilder durch ein Zeichen (:) voneinander ab. Betrachten Sie die ersten fünf Zeilen und überlegen Sie, welche griechischen Wörter generell zu den Präpositiva und den Postpositiva zählen könnten.

Ὅστις : φάρμακα : δηλητή-
ρια : ποιοῖ : ἐπὶ Τηίοισι-
ν : τὸ ξυνὸν : ἢ ἐπ’ ἰδιώτηι, : κ-
ε̃νον : ἀπόλλυσθαι : καὶ α-
ὐτὸν : καὶ γένος : τὸ κένο [...]

(Text aus Meiggs, R.; Lewis, D., A Selection of Greek Historical Inscriptions to the End of the Fifth Century B.C. (Oxford 1969) 63; Hinweis darauf bei Kannicht 1997, 347)

 

 

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