E-Learning: Einführung in die altgriechische Metrik

 


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"Hexameter"

"Trimeter"

 

 

 

Die Verteilung der Resolutionen in Aristophanes, Frieden 127-143

In den Versen 127-135 des Friedens von Aristophanes findet sich keine einzige Auflösung einer Länge, einer Kürze oder eines Anceps. Bereits mit ihren ersten Worten waren die Töchter des Trygaios als tragische Figuren aufgetreten. In den Versen 114-117 hatten sie in daktylischen Tetrametern und mit einer Anspielung auf den verlorenen Aiolos des Euripides zu sprechen begonnen. Nach einem kurzen Abschnitt in daktylischen Hexametern (118-123, erneut mit einer Euripides-Anspielung) wechselt das Versmass zurück zum für Dramen typischen Sprechvers, dem jambischen Trimeter (124-153). Dabei fällt allerdings auf, dass bis Vers 149 viel tragisches Vokabular verwendet wird und sich bis Vers 135 keine einzige Auflösung ausmachen lässt, welche für Komödien sonst so typisch sind. Ausserdem ist die Behandlung von Muta cum Liquida bei ὑγρὸν in Vers 140 zu beachten. Das ὑ- ist von Natur aus kurz. Aufgrund der "correptio Attica" würde man in der Komödie keine Positionslänge erwarten. Das metrische Schema zeigt hier jedoch, dass das ὑ- lang zu messen ist. Es steht an der Stelle der zweiten Länge im ersten Metrum. Der Dialog des Trygaios mit seinen Töchtern ist auch aus diesen metrischen Überlegungen heraus weitgehend als Tragödien-Parodie zu verstehen.

Die Töchter des Trygaios sind nicht sonderlich begeistert darüber, dass ihr Vater auf einem Mistkäfer in den Himmel fliegen will. Sie fragen ihn in Vers 135f. mit einer Anspielung auf den Bellerophontes, eine heute nur noch fragmentarisch erhaltene Tragödie des Euripides: "Hättest du folglich nicht den Flügel des Pegasus aufzäumen müssen, damit du den Göttern tragischer erschienest?" Sie fragen ihn demnach, ob es nicht klüger gewesen wäre, wie der tragische Held Bellerophontes im gleichnamigen Stück des Euripides ein geflügeltes Pferd (Pegasus) aufzuzäumen. Die erste Auflösung findet sich genau im Wort τρᾰγῐκώτερος "tragischer" in Vers 136 (beim Anceps im 3. Metrum), was mit Sicherheit einen komischen Effekt haben soll, da solche Auflösungen ein Charakteristikum der Komödien sind.

Derartige Detailbeobachtungen lassen erkennen, wie virtuos griechische Dichter wie Aristophanes mit der Metrik umgehen konnten. Trygaios antwortet auf den Vorschlag seiner Kinder nicht etwa: "Warum sollte ich auch? Bellerophontes ist doch abgestürzt und nie bei Zeus angekommen!" Vielmehr begründet er die Wahl des Mistkäfers damit, dass er unter diesen Umständen weniger Nahrung mitnehmen muss. Denn wenn Trygaios etwas isst, kann er den Mistkäfer anschliessend mit seinem eigenen Kot füttern. Bei einem Pferd hingegen hätte er zusätzlichen Vorrat mitnehmen müssen (137-139). Durch den skatologischen Humor (zu τό σκῶρ, σκατός "Kot") wird die Stelle auch inhaltlich wieder in die Eigenheiten der griechischen Komödien überführt.

 

 

Literatur zu dieser Seite: Zogg 2014.

Literatur zum jambischen Trimeter: Korzeniewski 1968, 44-61; Snell 41982, 17-22; West 1982, 39-42.81-90.159f.182-185; Sicking 1993, 88-100; Kannicht 1997, 348-350; Ziegler 2003 [CD-ROM]; Utzinger 2007, 14-16; Bär 2009, 31f.

 

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