E-Learning: Einführung in die altgriechische Metrik

 


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"Trimeter"

 

 

 

4.3 Marschanapäste und Klageanapäste

Bei den Anapästen bilden zwei Füsse ein Metrum (wie bei den Jamben und den Trochäen und im Unterschied zu den Daktylen). Die Länge kann durch zwei Kürzen, die zwei Kürzen können aber auch durch eine Länge ersetzt sein:

Anstelle von ⏑ ⏑ ‒ ⏑ ⏑ ‒ muss also eigentlich ⏔ ⏕ ⏔ ⏕ geschrieben werden.

Diese Gleichwertigkeit von Doppelkürze und Länge verleiht dem Anapäst als einzigem Versmass des Griechischen einen festen und regelmässigen Takt und macht ihn für stark rhythmisierte Partien geeignet.

 

Wenn Anapäste als Marschrhythmen verwendet werden, spricht man von Marschanapästen. Sie finden sich insbesondere bei Einzügen, Abgängen und Ortswechseln im Drama. Nach einem Metrum ist Wortende häufig. Am verbreitetsten ist der katalektische anapästische Dimeter, dessen Schema folgendermassen gezeichnet werden kann:

1⏔ ⏕ ⏔ ⏕, 2 ⁞ ⏔ ‒ ‒ |

Es gibt allerdings auch anapästische Systeme, die weit über zwei Metren hinausgehen. Die langen Reihen ohne Unterbrechung der Synaphie bilden dann eine einzige Periode. In Textausgaben werden dafür oft Dimeter und zwischendurch ein Monometer gedruckt, was eigentlich eine willkürliche Praxis ist. Diese längeren Perioden können durch Katalexe abgeschlossen werden. Das Fehlen eines Elements hat in diesem Fall Klausel-Funktion. (Beachten Sie zu diesen Punkten die Lösung zur anschliessenden Aufgabe!)

 

Bei lyrischen Anapästen der Tragödie wird oft von Klageanapästen gesprochen. Die Klageanapäste können nicht immer scharf von den Marschanapästen getrennt werden. Sie sind im Unterschied zu den attisch vokalisierten Marschanapästen in den Handschriften in der Regel dorisch vokalisiert. Am bekanntesten ist hierbei das dorische α̅, wo im Attischen η stehen würde. Die Klageanapäste zeichnen sich durch mehr spondeische Metren, häufig fehlende Zäsur und die Möglichkeit von Katalexe noch vor dem Abschluss der Periode aus.

 

Skandieren Sie das in Marschanapästen verfasste Einzugslied (Parodos) des Chors in Sophokles, Aias 134-140.

ΧΟΡΟΣ

Τελαμώνιε παῖ, τῆς ἀμφιρύτου

Lösung

 

Σαλαμῖνος ἔχων βάθρον ἀγχίαλον, (135)

Lösung

 

σὲ μὲν εὖ πράσσοντ’ ἐπιχαίρω·

Lösung

 

σὲ δ’ ὅταν πληγὴ Διὸς ἢ ζαμενὴς

Lösung

 

λόγος ἐκ Δαναῶν κακόθρους ἐπιβῇ,

Lösung

 

μέγαν ὄκνον ἔχω καὶ πεφόβημαι

Lösung

 

πτηνῆς ὡς ὄμμα πελείας. (140)

Lösung

 

 

 

 

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