4.6 Chorjamben
Rein chorjambische Strophen, also durchgehend ‒ ⏑ ⏑ ‒, sind selten. Chorjamben werden oft mit jambischen Metren gemischt. Vielfach dient ein Baccheus (⏑ ⏑ ‒) als Klausel und schliesst eine Periode ab. Chorjamben sind bei Anakreon und Sappho belegt, vereinzelt finden sie sich auch in Tragödien- und Komödienliedern.
Das Übungsbeispiel umfasst Verse einer Strophe und deren respondierende Verse der Antistrophe in Sophokles, König Ödipus 484-488.498-502. Zur Erinnerung und als Hinweis: Rein chorjambische Strophen sind selten ...
δεινὰ μὲν οὖν δεινὰ ταράσσει σοφὸς οἰωνοθέτας (484)
οὔτε δοκοῦντ’ οὔτ’ ἀποφάσκονθ’, ὅ τι λέξω δ’ ἀπορῶ·
πέτομαι δ’ ἐλπίσιν οὔτ’ ἐνθάδ’ ὁρῶν οὔτ’ ὀπίσω.
[...]
ἀλλ’ ὁ μὲν οὖν Ζεὺς ὅ τ’ Ἀπόλλων ξυνετοὶ καὶ τὰ βροτῶν (498)
εἰδότες· ἀνδρῶν δ’ ὅτι μάντις πλέον ἢ ’γὼ φέρεται,
κρίσις οὐκ ἔστιν ἀληθής· σοφίᾳ δ’ ἂν σοφίαν
[...]
Korzeniewski 1968, 114 deutet den Wechsel von Chorjamben zu Ionikern an dieser Stelle auch inhaltlich aus: "Der Choriambus ist das Metrum der geschlossenen, sich rundenden […] Form, die in sich ruht, im Gegensatz beispielsweise zum Ionikus, der durch seinen unruhigen Anfang flüchtiger ist, mit Unrast nach vorn drängt. Dieser Gegensatz kommt besonders am Anfang einer Strophe des Sophokles (OT 483ff.) zum Ausdruck, die mit choriambischen Tetrametern beginnt und zu ionischen Metren übergeht: Der erste Choriambus der beiden Tetrameter ist durch Wortende und vor allem durch die Epanalepse ["Wiederaufnahme"] in sich geschlossen (δεινὰ μὲν οὖν δεινὰ … | οὔτε δοκοῦντ' οὔτ' … |), durch den ersten Ionikus wird die Erregung ausgemalt (πέτομαι δ' ἐλπίσιν)." |
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